Klassische Charttechnik

Bollinger, John – BOLLINGER ON BOLLINGER BANDS
Bollingerbänder gehören zu den bedeutendsten Entwicklungen in der Geschichte der Charttechnik. So gut wie jedes Softwarepaket hat sie integriert und es gibt wohl kaum einen Trader der nicht schon von ihnen gehört hat. Es gibt sie heute in unzähligen Variationen und Weiterentwicklungen, sie sind Bestandteil von profitablen Handelssystemen, sowohl von Countertrend- als auch von Breakoutvarianten.

Die Einleitung behandelt unterschiedliche Chartarten und Timeframes, es folgen einige Gedanken über Traderpsychologie mit einer gesunden Skepsis gegenüber systematischen Ansätzen. Teil zwei schafft die Basics, beleuchtet die Geschichte von Bänderindikatoren und ihre Entwicklung, zeigt andere Varianten wie Keltner-, Donchair-, und Bomarbänder. Das auch die Hurst Envelopes erwähnt werden, sieht man gerne (Hurst, ein wenig bekannter Zyklustheoretiker mit interessanten Beiträgen zur Thematik). Volatilität und Adaptivität werden als Schlüsselelemente im erfolgreichen Umgang mit Bändern herausgearbeitet. Das nächste Kapitel behandel kurz die mathematischen Hintergründe und die diskutiert die Vorzüge unterschiedlicher Parametereinstellungen, es folgen einige statistische Überlegungen bevor man zu einem wichtigen Punkt übergeht, nämlich die Bollinger Bänder und ihr Zusammenspiel mit Chartformationen und Indikatoren. Neben einer vertiefenden Diskussion zur Pattern Recognition gehen auch Überlegungen zu Elliott Wave Pattern, und Point and Figure Charts zur Rauschunterdrückung mit ein. Teil III und IV stellen vier verschiedenen Tradingmethoden mit den Bollingerbändern vor: Antizipieren von Volatilitätsbreakouts und frühzeitiger Trenderkennung (ähnlich wie bei Pruitt), sowie Volumenbreakouts und Reversals. Ein Kapitel Advanced Topics und ein Glossar runden die ganze Sache noch ab.

Da die Bollingerbänder so gut wie in jedem Buch über technisches Trading erörtert werden, muss man diese Ausgabe nicht unbedingt kaufen. (Fortgeschrittene Techniken finden sich z.B. bei Jurik, Ruggiero) Es fließt jedoch viel Hintergrundwissen zur Charttechnik und dem Umgang mit Indikatoren mit ein, Bollinger besitzt eine außergewöhnliche Routine und Erfahrung die man sonst kaum wo findet (eventuell noch bei Murphy). Die Bollingerbänder sind Werkzeuge die das Zusammenspiel verschiedener Elemente wie Volatilität, Volumen, statistische Preisverteilung, Breakouts und Trendentwicklung aufdecken und dem Autor gelingt es über den gesamten Text hinweg, ein Verständnis dafür zu vermitteln. Daher ist das Buch nicht nur Systementwicklern zu empfehlen, die sich speziell mit Bollinger auseinandersetzen, sondern auch für fortgeschrittene Charttechniker, die sich noch einen letzten Feinschliff im Umgang mit den Bändern verschaffen möchten.

Fazit: Ein umfangreiches und gelungenes Buch, das die Bänder aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Ein sehr erfahrener Autor, der für einen Techniker überraschend philosophisch angehaucht ist, jedoch ohne peinlich zu wirken. Zu empfehlen ist auch ein Blick auf seine Website www.BollingeronBollingerbands.com
****



Bolton, Hamilton – The Complete Elliott Wave Writings
Der als Genius angepriesene Hamilton Bolton (Spitzname Hammy) hat sich nach seinem Ökonomie und Mathematik Studium mit großem Interesse den Naturgesetzen und ihren Harmonien gewidmet und davon inspiriert, sich auf die Wellentheorie von Elliott spezialisiert. Bolton wird ein hohes analytisches Talent nachgesagt, Berühmtheit hat er vor allem durch einige exakte Dowprognosen erlangt.

Das besagte Buch- The Complete Elliott Wave Writings mit Vorwort von Prechtel und Frost, versammelt Wellentheorie bezogenen Auszüge aus Boltons Analystenbrief (The Bolton Tremblay) und seinem Hauptwerk von 1960 – The Elliott Wave Principle. Besonders interessant: Man kann direkt die originalen Wellenanalysen und Prognosen von Bolton studieren. Wenngleich einige Fehlcounts und Regelverstöße zu finden sind, kein schlechtes Buch, es gibt aber bessere Lehrgänge zur Wellentheorie. Eignet sich eher für Sammler, die den historischen Wert schätzen und den Mythos im Bücherregal verewigen wollen. Die Entwicklung ist seit den Zeiten von Elliott, Charles Collins und Bolton unbarmherzig vorangeschritten (siehe Neowave Theorie). Wer mit der Wellentheorie professionell arbeiten will, kommt an einer computerunterstützen Analyse ohnehin schwer vorbei.

Negativ: Über mathematische Besonderheiten der Fibonacci Zahlen, Hintergründe zu den Fibonacci Proportionen (z.B. ihr auftreten in der Natur), die Bedeutung innerhalb der naturwissenschaftlichen Entwicklungsgeschichte (von Pythagoras bis Kepler) und der Kunstgeschichte (z.B. Da Vinci) lässt uns das Buch leider vollkommen im Dunkeln. Da der Inhalt isoliert bleibt von den natürlichen Harmonien in der Natur, kann beim Leser das Verständnis für globale Zusammenhänge nicht geweckt werden und so bleibt bei ihm der Eindruck bestehen, bei der Elliott Wave Theorie handle es sich lediglich um eine esoterisch wirkende Kaffeesatzleserei.
***


 


Bulkowski, Thomas – Encyclopedia of Chart Patterns
Ein weiteres Buch für Charttechniker, das hält, was der Titel verspricht. Schulter-Kopf-Schulter, Double-Buttom, ,Flaggen, Diamanten, einzelne Kerzenformationen, Inside Days, Island Reversals, alles mit dabei. Sehr umfangreich, interessant sind vor allem die statistischen Untersuchungen zu den einzelnen Formationen, wenngleich ihr Wert doch sehr fragwürdig ist. So kommt Bulkowski mit seiner statistischen Analyse von Doppeltops zu dem Schluss, dass diese Formation nicht sehr profitabel ist und daher nicht gehandelt werden sollte. Dem werden in der Praxis sehr viele Trader widersprechen. Sehr gut wiederum die Analyse von Gaps in Kapitel 16 und einzelner Kerzenformationen in den nachfolgenden Kapiteln. Das Buch versucht Charttechnik weniger subjektiv und durch die Mechanisierung für Trader schmackhafter zu gestalten. Es ist daher für Trader eine ideale Erweiterung zu klassischen Büchern über Charttanalyse. Sehr übersichtlich, es bietet einige interessante Infos, wer Murphy im Regal hat kann hier also trotzdem zugreifen. 
*****


Droke,Cliff- Elliott Wave Simplified
Elliott Wave Simplfied gibt einen schnellen und oberflächlichen Überblick in die EW Theorie. Beschrieben werden die Grundregeln und Pattern, es foglen Kapitel über Channels, Volumen und Contrarian Thinking. Leider fehlen praktische Anwendungsbeispiele. Für eine erfolgrieche Anwendung der Theorie in der Praxis ist die Arbeit auf jeden Fall zu kurz. Auch wer sich nur oberflächlich für EW interessiert und einen ersten Einstieg wünscht, wird wohl enttäuscht sein.
*


Gartley H.M. – Profits in the Stock Market
Ist ein altes, aber ausführliches Lehrbuch zur Charttechnik, das die heutige Konkurrenz nicht scheuen muss. (Zu seinem Erscheinungsdatum hatte es den Preis mehrer PKWs) Es ist ein ordentlicher Welzer mit 500 Seiten, das Original erschien 1935 mit weniger als 1000 verkauften Stücken, dann neu herausgegeben vom Lambert-Gann Verlag. Nachdem man die ersten Kapitel über charttechnische Grundlagen aus der Steinzeit rasch überblättert (Datenbeschaffung, lineare -logarithmische Chartskala, Linechart-Barchart, Tagescharts-Wochencharts), stößt man auf eine gute Einführung in die Zyklusthematik. Über viele Seiten hinweg studiert man ausführliche Untersuchungen zur Trendanalyse in Verbindung mit Volumen, lernt alles über Patterns (wie S-K-S, Double Tops, Triangles usw.) und Trendlinien und findet großartige Kapitel über Gaps und Point and Figure Charts vor. Selbst Moving Averages und Oszillatoren sind mit dabei und das zu einer Zeit ohne Computer.

Es ist eine eindrucksvolle Arbeit, mit der sich Gartley zu den Gründervätern der modernen Charttechnik einreiht. Das charttechnische Know How ist bei Murphy natürlich umfassender und besser komprimiert, dennoch ist es interessant, in Gartleys Perspektive aus der Frühzeit der Charttechnik einzutauchen. Man ist erstaunt von seinen Kenntnissen über die Natur der Märkte, beobachtet gespannt seine Schlussfolgerungen (und Fehlschlüsse), und denkt an die Entwicklungen, die sich bis zum heutigen Tage vollzogen haben. Obwohl vor mehr als 70 Jahren verfasst, handelt es sich im Grunde um dasselbe Material, nachdem 99% der Charttechniker auch heute noch arbeiten. Es schockiert, dass es der Masse noch nicht einmal gelingt, den Gedankenhorizont von Gartley zu übersteigen. Profits in the Stock Market kann durchaus noch als Lehrbuch für klassische Charttechniker herhalten, wenngleich natürlich bei Gartley kompliziertere Indikatoren fehlen. Ebenfalls vermisst werden Retracements, Fibonacci, Intermarketanalyse, Candlesticks, Sentimentindikatoren. Einzelne Ausarbeitungen wie zu den Gaps oder Point & Figure Charts schlagen Murphy und andere Lehrbücher wiederum mühelos. Gartley vollendet eine für damalige Zeit unfassbare Arbeit, als Charts so gut wie neu waren, und von Hand mit Bleistift und Kursen aus der Tageszeitung angefertigt wurden. 
***


Murphy, John J.- Technische Analyse der Finanzmärkte
Technische Analyse der Finanzmärkte von John J. Murphy kann mit gutem Recht als die “Bibel” für Charttechniker bezeichnet werden. Es werden die gängigsten Chartformationen und Indikatoren beschrieben, aber auch Point & Figure Charting, Candlesticks, Trendverhalten, Dow Theorie, sogar Moneymanagement und Elliott Wave Theorie kommen zur Sprache. Sehr übersichtlich, guter Stil, professionell. Man erkennt, dass der Autor Erfahrung hat. Das Buch sollte jeder Trader einmal durchgeblättert haben, egal ob Day- Swing- oder Systemtrader, bietet es doch das Grundwissendes charttechnisch orientierten Tradings.  
****


 


Mendelsohn, Louis – Trend Forecasting with Technical Analysis
Die drei Bücher von Mendelsohn Trend Forecasting with Intermarket Analysis: Predicting Global Markets with Technical Analysis, Forex Trading Using Intermarket Analysis, Trend Forecasting with Technical Analysis richten sich an Tradingeinsteiger. Mendelsohn muss nicht gelesen werden, es gibt zu allen Themenbereichen die seine drei Bücher abdecken, bessere Substitute, 
*



Murphy, John – Intermarket Technical Analysis (1991)
Nach Technische Analyse der Finanzmärkte liefert Murphy mit Intermarket Technical Analysis die nächste Bibel für Charttechniker und Forecaster. Kein Markt bewegt sich isoliert von anderen und häufig lassen sich Trendwenden bereits frühzeitig anhand korrelierender Märkte aufspüren. Damit kann die Intermarket Analyse wesentlich zur Verbesserung der Prognosequalität beitragen. Das Buch ist gut strukturiert, leicht verständlich und vollgepackt mit wertvollen Informationen. Murphy zählt zu den besten Autoren, sein Stil ist professionell und seine langjähre Erfahrung als Charttechniker ist außergewöhnlich.

Fazit: Must Read für Charttechniker und Forecaster. Auch Systementwickler finden hier interessante Ideen für Handelsansätze.
****



Nison, Steve- Japanese Candlestick Charting Techniques 
Ein sehr umfangreiches Buch, nicht nur über Candlesticks, sondern auch über allgemeine Charttechnik. Bis Seite 160 werden die einzelnen Chaldestickformationen peinlichst genau beschrieben, danach folgt die Anwendung und Kombinatination mit anderen charttechnischen Werkzeugen. Diese reichen von Trendlinien über Retracements, Indikatoren, bis hin zu Elliott Wave. Für Tradestationbesitzer auch interessant ist das Kapitel über Market Profile, gibt es zu diesem Thema doch relativ wenig gute Literatur. Gut gelungen ist die Zusammenfassung der einzelnen Muster. Das Buch vermittelt die Kunst, einen Chart zu lesen. Pflichtlektüre für Charttechniker
****


Prechter, Robert – The Major Works of R.N. Elliott 
Nach Elliott war es lange Zeit still um die Wellentheorie, eine Weiterführung seines Werkes übernahmen zwischenzeitlich Hamilton Bolton und R.C. Beckam (The Eliott Wave Principle as Applied to the London Stock Market). Die Arbeiten von R.N Elliott hätte in der Tradingindustrie niemals eine flächendeckende Verbreitung finden können, wenn Frost (Forst – Elliott Wave Principle – Key to Stock Market Profits 1978) und Prechter sie wieder in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerückt hätte. Das Buch The Major Works of R.N. Elliott gibt, wie der Titel verrät eine Zusammenfassung der wichtigsten Schriften von Elliott, darunter, The Wave Principle, The Financial World Articles und Nature’s law: The secret of the universe von 1946

Die Einleitung von Prechter bringt Infos zu Lebensgeschichte von Elliott, seine späte Krankheit, die Entwicklung der Wellentheorie mit bereits fortgeschrittenem Alter, seine treffsicheren Prognosen und schließlich seine vertiefenden Studien der Naturgesetze, Kunst und Philosophie, stets auf der Suchen nach dem verborgenen Bauplan des Universums. Die Zusammenfassung seines Werkes beabsichtige er in Nature’s law: The secret of the universe wiederzugeben, dass er kurz vor seinem Tod noch veröffentlichen konnte. Elliotts hat seine Originalarbeit 1928 unter dem Titel The Wave Principle veröffentlicht. Elliott war eingenommen von dem Gedanken dass ein grundlegendes Naturgesetz existiert, das im Universum für die Ausgestaltung von Ordnung sorgt. Ohne diese Gesetze herrsche Chaos, so Elliott (wir wissen heute dass auch chaotische System spontan in Ordnung übergehen können, z.B. dissipative Strukturen). Der Mensch, als ein natürliches Wesen, unterscheide sich in nichts von anderen natürlichen Systemen und unterliege daher demselben fundamentalen Gesetz, ebenso wie die Märkte. „But the market has its law, just as is true of other things throughout the universe. Were there no law, there could be no center about which prices could revolve and, therefore, nor market. Instead, there would be a daily series of disorganized, confused price fluctuations without reason or order anywhere apparent.“ (S.43)

Der weitere Inhalt legt die Fundamente der klassischen Elliott Wellen Theorie, erklärt den Unterschied zwischen Impuls und Korrektur, stellt die grundlegendsten Wavepatterns vor, diskutiert Channelkonstruktion, Degrees usw. Es ist interessant diverse Entwicklungen zu beobachten. So gilt es in seiner ersten Arbeit nur als Anhaltspunkt, dass im Impuls Welle 4 zumeist nicht Welle 2 schneidet, eine Regel, die erst später in ein striktes Verbot umgewandelt wurde. Sein Buch Nature‘s Law beschäftigt sich mit einigen Hintergründen zu Wellentheorie und ihrer Verbindung zu Fibonacci, der menschlichen Anatomie, Farben, Musik, chemische Elemente. Etwas spezieller befasst er sich mit den Pyramiden und Golden Mean Kodierungen: “Later I found that the basis of my discoveries was a law of Nature known tot he designers oft he Great Pyramid Gizeh which may have been constructed five thousand years ago.” Der Rest des Buches beschäftigt sich wieder mit den Wave Patterns in den Märkten, den Grundlagen Wave Theorie und Zyklen. 

Elliott Wave wird heute von vielen Anhängern als Religion praktiziert, und als ein unumstößliches Glaubensgebilde verehrt. Auch Elliott selbst vertrat einen ausgesprochenen dogmatischen Ansatz und ließ keine Abweichungen von seinem Konstrukt zu. Sein Regelwerk war unumstößlich und nicht zu diskutieren. Nur von ihm lizensierte Analysten durften überhaupt Elliott Wave Analysen erstellen. “A complete movement consists of five waves. Why this should be five rather than some other number is one of the secrets of the universe. No attempt will be made to explain it, although, in passing, it might be observed that the figure five is prominent in other basic patterns of nature. “ (S. 45 R.N Elliott). So neigen auch heute noch Wave Fundamentalisten dazu, dass Modell als unumstößliche Wahrheit zu interpretieren und andere Ansätze zu diskreteren. Ein solches Vorgehen birgt die Gefahr in sich, die Tradingperformance einzuschränken, indem, anstatt unterschiedlichste Puzzelteile zu einer integraler Sichtweise zusammenzufügen und zu ganzheitlichen Analysemethode voranzuschreiten, ein zu stark vereinfachtes Modell genutzt wird.  

Obwohl Gann und Elliott als sehr unterschiedliche Theoretiker gelten, und sich ihre Analysemethoden stark unterscheiden, ihre Gedanken und Erkenntnisse um die globalen Naturgesetze und einer allumfassenden Ordnung zeigen viele Parallelen. Wie Gann, hatte auch Elliott ein ausgesprochenes Interesse an Zahlen. So bringt Elliott eine Diskussion über die 360° des Kreises, seine Unterteilung durch die Oktave und den daraus entstehenden geometrischen Winkeln, die direkt von Gann stammen könnte. Und auch bei Gann finden wir in seiner Arbeit The Human Body Ausführungen, die exakt Elliotts Überlegungen über die Verbindungen von menschlicher Anatomie und Fibo treffen: “Taking the human body, for example, there are five extensions from the torsoe – head, two legs, two arms, five extensions from head – two ears, two eyes, the nose, five extensions in the form of fingers, from each arm, and in the form of toes, from each leg, five physical senses – taste, smell, sight, touch, hearing, and so the story might be repeated elsewhere.”(R.N. Elliott)
 ***


Sklarew, Arthur – Techniques of a Professional Commodity Chart Analyst (1980)
Sklarew liefert ein wenig spektakuläres Einführungsbuch in die charttechnische Analyse mit Anwendungstipps fürs praktische Trading. Mit dabei sind die bekanntesten Elemente der Charttechnik wie Trendlinien, Support und Resistance, Formationen, Gaps, Moving Averages usw. Der Autor versucht Überlegungen zur frühzeitigen Trenderkennung einzubringen. Es ist aber kein Lehrbuch für Charttechniker. Kritikwürdig ist seine Vermischung von Forecasting und Trading. Sklarew vertritt eine subjektive Sicht der Chartanalyse und ermahnt, dass diese keine strenge Wissenschaft darstellen kann und als eine Art Kunstform von der Erfahrung des Analysten abhängig ist. Auf der anderen Seite will er die Charttechnik zum Traden nutzen. Das ist ein Widerspruch, professionelles Trading kann kein Ratespiel sein und versucht subjektive Elemente so weit als möglich auszuschließen. Alle anderen Ansätze bleiben letztendlich Narren des Zufalls. Natürlich gibt es erfahrene Chartanalysten, die über viele Jahre hinweg gelernt haben, den Markt zu lesen und ihn erfolgreich einschätzen können, diese Herangehensweise kann aber nicht die Grundlage eines soliden Vermögensaufbaus sein, noch ist es der Weg, mit dem Einsteiger von Beginn weg erfolgreich sein können.

Im Grunde kein schlechtes Buch, es macht einen professionellen Eindruck und ist gewissenhaft ausgearbeitet, die gebotenen Informationen sind aber trivial. Als charttechnisches Lehrbuch bleibt Murphy erste Wahl. 
**


Stevens, Leigh – Essential Technical Analysis – Tools And Techniques To Spot Market Trends (2002) 
Im Vorwort verteidigt Tony Plummer den Wert der Charttechnik mit einer leidenschaftlichen Rede: “Most of these individuals are successful because they recognize, in a way that academic analysis still does not, that asset price movements are not just random fluctuations driven by the rational behavior of independent traders. They recognize that human beings are, by nature, gregarious and communicative, and have an inner drive to belong to groups. Not surprisingly, therefore, group psychology provides a controlling influence over individual activity and transforms a large quantity of apparently unrelated decisions into a more certain outcome. Importantly, this outcome reveals itself in the form of rhythmic, patterned, price movements that bear not only a natural relationship to one another but also are essentially predictable once they are understood. This is why the discipline of technical analysis, hearing the message of the market via price movements, is such an accurate tool for making profitable trading decisions.”

Essential Technical Analysis deckt die Grundlagen der Charttechnik ab: Dow Theorie, verschiedene Chartarten, Volumen, Trendlinien, Unterstützung und Widerstand, Formationen, Gaps, einige Indikatoren, Sentiment werden ausführlich behandelt. Es gibt nichts zu meckern, Stevens hinterlässt einen professionelleren Eindruck. Als Chartanalyst bei CNBC.com bringt nicht nur die notwendige praktische Erfahrung mit, auch die theoretische Ausarbeitung zum Thema gefällt. Das Buch ist über 300 Seiten stark und kann als Lehrbuch zur Charttechnik mit Murphy durchaus mithalten, wenngleich mir persönlich vom Stil her Murphy doch etwas besser gefällt. Profis erhalten keine neuen Informationen mehr.
****

Aktuelle Prognosen

Free Newsletter

Get Market Updates From Perfect-Trader.com
Enter Your Email

Latest Tweets

VisionaryArt